Blendwerk von echter Nachhaltigkeit bei großen Marken unterscheiden: Wie fair sind ALDI, REWE, LIDL & Co. zu Mensch und Natur?

Nachhaltigkeitsleistungen von Großunternehmen auf dem Prüfstand von NGOs

Unabhängige Organisationen bewerten die Nachhaltigkeitsleistungen der großen Unternehmen

Blendwerk von echter Nachhaltigkeit bei großen Marken unterscheiden: Wie fair sind ALDI, REWE, LIDL & Co. zu Mensch und Natur?

Liebe Leserin, lieber Leser,

hast Du schon einmal versucht, auf die Schnelle über einen Check im Internet herauszufinden, wie fair Großunternehmen mit Mensch und Natur umgehen?

Solltest Du beispielsweise die Marken REWE, ALDI, LIDL oder EDEKA in Kombination mit dem Begriff „Nachhaltigkeit“ in eine Suchmaschine eingeben, liefern die ersten Treffer zumeist ein Bild, als ob die Riesen des Lebensmitteleinzelhandels besonders nachhaltig wirtschaften würden.

Die großen Marken – übrigens in allen Branchen – kommunizieren sehr professionell und geben sich ein möglichst nachhaltiges Image. Mit riesigen Werbebudgets, vielen Marketingkampagnen und umfangreichen Nachhaltigkeitsberichten wird das Bild eines grünen fairen Unternehmens gestaltet.

Aber entspricht das Bild der Realität?

Gibt es Quellen, die schnell verlässliche Informationen zu den Nachhaltigkeitsleistungen von großen Unternehmen liefern?

Tipps + Kicks:

Wer ein Produkt auf Nachhaltigkeit schnell checken möchte, kann dazu häufig hilfreiche Portale, Apps und Gütesiegel nutzen. Wie das funktioniert, hatte ich bereits in einigen Blog-Beiträgen über Gütesiegel beschrieben.

Quellen, die vertrauenswürdig bewerten, wie nachhaltig große Unternehmen wirtschaften und das Ergebnis als Ranking auf einen Blick öffentlich machen, sind leider noch rar. Bei meinen Recherchen stieß ich auf zwei gemeinnützige Organisationen, die große Unternehmen unter die Lupe der Nachhaltigkeit legen und sowohl unabhängig als auch transparent bewerten.

Beispiel 1: Oxfam Deutschland checkte die Marktführer im Lebensmitteleinzelhandel.

Oxfam Deutschland e.V. arbeitet gemeinnützig und gehört zur internationalen Nothilfe- und Entwicklungsorganisation Oxfam (1), die Menschen in armen Ländern unterstützt.

Oxfam Deutschland hatte in 2018 und 2019 die fünf führenden Supermärkte in Deutschland hinsichtlich der Einhaltung von Menschenrechten bei der Herstellung der Lebensmittel bewertet. Verglichen wurde, wie transparent die Unternehmen handeln, ob sie Arbeitsrechte auf Plantagen schützen, was sie für Kleinbauern tun oder wie sie Gewalt gegen Frauen verhindern. Der Check aus 2019 (2) zeigte im Vergleich zu 2018 verbesserte Nachhaltigkeitsleistungen bei  der Einhaltung von Menschenrechten in der Lieferkette, aber insgesamt auf noch niedrigem Niveau:

  • ALDI Süd 19 % (2018: 1 %)
  • REWE 13 % (2018: 1%)
  • LIDL 9 % (2018: 5 %)
  • ALDI Nord 5 % (2018: 1 %)
  • EDEKA 1 % (2018: 1%)

Diese Ergebnisse stehen in einem deutlichen Gegensatz zu dem Image fortgeschrittener Nachhaltigkeit, das sich die Lebensmittelkonzerne mittlerweile aufgebaut haben.

Den ganzen Report mit Details zur Bewertung gibt es zum Download unter https://www.oxfam.de/system/files/supermarkt-check_2019_deutschland.pdf

Beispiel 2: Fair Finance Guide Deutschland bewertet Banken und Versicherungen.

Der Fair Finance Guide Deutschland ist Teil der Initiative Fair Finance Guide International, welche in sieben weiteren Ländern weltweit aktiv ist. In Deutschland ist der Fair Finance Guide eine Kooperation der gemeinnützigen Organisationen Facing Finance e.V. mit Südwind e.V. und der Verbraucherzentrale Bremen.

Facing Finance e.V. setzt sich für einen verantwortungsbewussten Umgang mit Geld ein. Der Verein sensibilisiert deutsche und europäische Finanzdienstleister, bei Investitionsentscheidungen völkerrechtliche Verträge, soziale Normen und Umweltstandards umfassender zu berücksichtigen. (3)

Fair Finance Guide Deutschland zeigt auf einen Blick mittels Ranking, wie umfänglich Banken und Lebensversicherungen in Deutschland das Thema Nachhaltigkeit bei ihren Geschäftsentscheidungen berücksichtigen. Die Bewertungen ergeben sich ausschließlich aus den Richtlinien der Institute, die in öffentlichen Dokumenten dargestellt sind.

Stand 05/2019 wurden 14 Banken bewertet. Die GLS Bank lag mit 96 % Erfüllungsgrad beim Ranking an Platz 1.  Zum Vergleich: Die Commerzbank erfüllte erst 35 %, die Deutsche Bank erst 34 % der Nachhaltigkeitskriterien. Sparkasse Köln-Bonn und Deutsche Apotheker- und Ärztebank lagen mit je 9 % an letzter Stelle. (4)

Stand 10/2019 wurden 5 Versicherer (Allianz, AXA, R+V, Zürich, Debeka) bewertet. Alle erfüllten die Nachhaltigkeitskriterien nur in geringem Maße,  die Allianz mit 36 % noch vergleichsweise am besten.  Die Debeka mit 16 % ist das Schlusslicht. (5)

Mein Fazit:

Viele große Marken präsentieren sich nach außen als weit fortgeschritten in Sachen Nachhaltigkeit. Doch in der Realität zeigen kritische Prüfungen von unabhängigen Dritten, dass sie allenfalls als „Beginner“ eingestuft werden können.

Um den Nachhaltigkeitsgrad eines Unternehmens zu beurteilen, reicht ein Schnellcheck im Internet nach meiner Erfahrung nicht aus. Man darf sich von dem ersten Eindruck mittels Suchmaschine oder durch Werbekampagnen nicht blenden lassen.

Wer wirklich in die Tiefe gehen will, muss mehr Zeit für die Recherche investieren und möglichst viele weitere Quellen heranziehen, auch – sofern vorhanden – Nachhaltigkeitsberichte und Jahresberichte.

Noch ein Tipp: Achtet auf das Datum der Bewertung. Da viele Unternehmen sich in ihren Nachhaltigkeitsleistungen Jahr für Jahr weiter entwickeln, zeigen die älteren Bewertungen/Artikel nicht den aktuellen Stand.

Herzliche Grüße

Elke Vohrmann

 

Quellen

(1) https://de.wikipedia.org/wiki/Oxfam

(2) https://www.oxfam.de/ueber-uns/aktuelles/2019-07-03-supermaerkte-check-schlechte-noten-deutsche-supermarkt-ketten

(3) https://www.facing-finance.org/de/die-kampagne/facing-finance-e-v/

(4) https://www.fairfinanceguide.de/ffg-d/

(5) https://www.fairfinanceguide.de/ffg-d_pensions/

 

Grafik: © Elke Vohrmann

 

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