Meine persönliche Hitliste: die drei wichtigsten Hoffnungsträger für Durchbrüche in Sachen Nachhaltigkeit

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Unsere Aufmerksamkeit sollte sich immer wieder auch auf die guten Entwicklungen fokussieren.

Meine persönliche Hitliste: die drei wichtigsten Hoffnungsträger für Durchbrüche in Sachen Nachhaltigkeit

Liebe Leserin, lieber Leser,

bei meiner Rückschau auf das Jahr 2019 überwog bei mir – trotz vieler negativer Entwicklungen – das positive Gefühl, dass wir als Menschheit die Kurve kriegen können. Ich war darüber verwundert und habe mich gefragt, worauf sich meine Zuversicht denn stützt.

Mein gutes Gefühl resultiert vor allem aus drei Hoffnungsträgern, die das Potenzial für gewaltige Durchbrüche haben – hin zu einem Leben in Balance mit Mensch und Natur. Diese Entwicklungen aus 2019 sind sehr kraftvoll und werden nach meiner Überzeugung die 2020er Jahre maßgeblich zum Positiven beeinflussen.

Hoffnungsträger 1: Die Jugend wird massiv aktiv – und viele Gesellschaftsgruppen ziehen nach.

Wer hätte das gedacht – die schwedische Schülerin Greta Thunberg mobilisierte in kurzer Zeit die Jugend der Welt und löste die weltweite Fridays for Future Bewegung aus.

Mir fiel auf: Viele junge Menschen der Fridays for Future Bewegung sind sehr gut informiert. Sie lesen unter anderem die Berichte des Weltklimarates und ziehen daraus ihre Schlüsse. Sehr beeindruckt hat mich zudem das in 2019 meistgesehene Youtube-Video von Rezo (1), mit sehr gut recherchierten Fakten zu sozialen und ökologischen Brennpunkten.

Diese jungen Menschen werden in wenigen Jahren in die Wirtschaft, Wissenschaft oder in die Politik gehen – und unsere Gesellschaft dann nach ihren Werten entsprechend ökologisch und sozial gestalten.

Zudem beeindruckte mich: In verblüffend kurzer Zeit bildeten weitere Gesellschaftsgruppen in 2019 diverse Netzwerke und unterstützen aktiv die Fridays for Future Bewegung:

Ein weiteres Highlight aus 2019: Unfassbare 1,7 Millionen Bürger in Bayern wurden mittels Volksbegehren „Rettet die Bienen“ für den Natur- und Artenschutz aktiv. Nur etwa zwei Monate später beschloss der bayerische Landtag, den Gesetzesentwurf unverändert anzunehmen, mit strengeren Regeln im Natur- und Artenschutz (2), (3). Dieser Bürgereinsatz hat zur Folge:

  • Ausbau der ökologischen Landwirtschaft
  • mehr Blühwiesen
  • weniger Pestizideinsatz
  • besserer Schutz für Gewässerrandstreifen
  • Vernetzung von Biotopen

Hoffnungsträger 2: Natur, Wirtschaft und Wissenschaft finden erste bahnbrechende Lösungen für das Plastikmüllproblem

Die Natur ist für mich der größte Innovator. So hat sie tatsächlich Bakterien erschaffen, deren Enzyme Plastik zersetzen können! Dies könnte die Lösung für das viele Plastik sein, das sich überall in Gewässern und Meeren anreichert.

Britische und amerikanische Forscher fanden Bakterien in einer Recyclinganlage in Japan, die mit ihren Enzymen Kunststoff wie PET (Polyethylenterephthalat) zersetzen und verdauen. Die Bakterien hatten das Plastikenzym offenbar selbstständig entwickelt. Forscher arbeiten nun daran, die Effektivität des Enzyms weiter zu verbessern, damit es im industriellen Maßstab Plastik in einem Bruchteil der ansonsten nötigen Zeit zersetzen kann.

Besonders spannend finde ich:

„Die Gene für die Bildung der Enzyme werden vermehrt, sobald die Bakterien mit PET in Kontakt kommen. Das deute daraufhin, dass ihre Hauptaufgabe im Abbau des Kunststoffs bestehe. So stellt sich den Forschern die Frage, ob die Enzyme erst in den etwa 70 Jahren seit Nutzung der PET-Kunststoffe entstanden seien.“

Die Natur scheint also schon von sich aus damit begonnen zu haben, für das Plastikproblem eine Gegenmaßnahme zu entwickeln: Bakterien mit plastikverdauenden Enzymen! (4), (5).

Ein Beispiel für bahnbrechende Lösungen durch die Wirtschaft:

In Deutschland liegt die Quote für echtes Plastikmüllrecycling bisher nur bei 16 %! (6). Die Lösung: Das Unternehmen Tomra Sorting GmbH aus Mülheim-Kärlich steigert mit innovativer Technik die Verwertungsquote von Plastikmüll in Hausmüllsortieranlagen auf rund 50 %. Durch die innovative Sortiertechnik werden hochwertige Rezyklate wie z.B. sortenreines Polypropylen zurück gewonnen. Neuware aus Erdöl kann damit ersetzt werden. Das ist der Beginn einer echten Kreislaufwirtschaft für Plastikmüll.

Wie das funktioniert, kannst Du in faszinierenden Bildern in der 3sat TV-Doku „wissen aktuell: Kunststoff überall –  Wege aus der Plastikflut“ vom 5.12.2019 sehen (ab Minute 33 bis Minute 58)

Die Doku zeigt auch, dass sich in der Wirtschaft die Erkenntnis immer mehr Bahn bricht: Plastik ist Wertstoff – und kein Müll. „Eine Tonne gut aufbereiteter Plastikmüll ist mehr wert als eine Tonne Aluminium.“ sagt Jürgen Priesters,  ein Mitarbeiter der Tomra Sorting GmbH, in der vorgenannten 3sat TV-Doku (7)

Hoffnungsträger 3: Der Bewusstseinswandel in der Bevölkerung hin zu mehr Nachhaltigkeit steigt rapide, auch durch zunehmende Aufklärung in allen Medien.

Nachhaltigkeit war in 2019 DAS Thema in allen Medien.

Im Fernsehen, Rundfunk etc. wurden von den Medien zu besten Sendezeiten sehr gut recherchierte Dokus und Berichte zu Nachhaltigkeitsthemen gezeigt, mehrfach in der Woche. Früher waren solche Berichte eher rar; oft wurden sie erst sehr spät am Abend gesendet.

Durch die Häufung der Medienberichte über Nachhaltigkeit werden immer mehr Menschen informiert. Viele davon werden sich dadurch ihrer Folgewirkungen auf andere Menschen und auf die Natur bewusst – und ändern ihr Verhalten in allen Lebensbereichen, wie den Konsum von Nahrungsmitteln, von Textilien, aber auch bei Mobilität, Energie, Wohnen, Reisen etc.

Der Bewusstseinswandel zeigt sich in verändertem Nachfrageverhalten: In allen Branchen wächst die Nachfrage nach nachhaltigen Produkten und Dienstleistungen.

Tipps + Kicks:

Wichtig ist, unsere Aufmerksamkeit und Gedanken immer wieder auch auf die großen Fortschritte zu richten, die wir machen. Und uns nicht allein auf negative Entwicklungen zu fokussieren. Denn:

 “Energy flows, where the attention goes.” (Milton Erickson)

Energie fließt dorthin, worauf sich unsere Gedanken richten. Das, worauf Du Deine Aufmerksamkeit richtest, wird wachsen.

Dies waren meine drei persönlichen Highlights aus 2019. Ich hoffe, ich bin nicht allein mit meiner Zuversicht.

Wenn Du zurückblickst: Was hat Dich positiv beeindruckt? Wo hast Du in der Gesellschaft Entwicklungen zu mehr ökologischer und sozialer Nachhaltigkeit bemerkt? Oder in Deinem persönlichen Umfeld?

Schreibt mir bitte Eure Beobachtungen, was aus Eurer Sicht in die richtige Richtung läuft. Gerne würde ich diese dann in einem weiteren Blog-Beitrag – anonymisiert natürlich – veröffentlichen.

Herzliche Grüße

Elke Vohrmann

 

Quellen:

(1) Youtube-Video von Rezo „Die Zerstörung der CDU“ vom 18. 5.2019, Dauer ca. 55 Minuten https://www.youtube.com/watch?v=4Y1lZQsyuSQ

(2) https://volksbegehen-artenvielfalt.de/

(3) https://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/bayern-landtag-nimmt-volksbegehren-rettet-die-bienen-an-a-1277873.html

(4) https://www.mdr.de/wissen/faszination-technik/enzym-verdaut-plastik-recycling-verbessern-100.html

(5) https://www.nationalgeographic.de/wissenschaft/2018/04/neues-super-enzym-zersetzt-plastik

https://www.br.de/themen/wissen/pet-plastik-fressendes-bakterium-100.html

(6) https://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/plastikmuell-nur-16-prozent-werden-in-deutschland-wiederverwendet-a-1271125.html

(7) TV-Dokumentation „wissen aktuell: Kunststoff überall –  Wege aus der Plastikflut“, 3sat, 5.12.2019 (Minute 33 bis Minute 58:30) https://www.3sat.de/wissen/wissen-aktuell/wissen-aktuell-kunststoff-ueberall—–wege-aus-der-plastikflut-100.html

Grafik: © Elke Vohrmann

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