Der wahre Preis ist unsichtbar

preis zeigt oft nicht die umweltkosten und sozialkosten

Liebe Leserin, lieber Leser,

hier erfährst Du,

  • ob die Preisschilder der von uns täglich gekauften Waren die wahren Preise widerspiegeln
  • welche Kosten in der Preiskalkulation der Unternehmen fehlen und wer diese zu zahlen hat

Ich zeige Dir an einigen Beispielen, welche „unsichtbaren“ Kosten auf keinem Preisetikett zu finden sind.

Wer zahlt den wahren Preis?

Sofern bei der Herstellung eines Produktes Mensch und Natur ausgebeutet werden, zeigt das Preisetikett nicht den wahren Produktpreis. Dann fehlen die Kosten für soziale und ökologische Schäden, die Mensch und Natur bei konventioneller Herstellung erlitten haben. Dies sind beispielsweise

  • Gesundheitsschäden der Beschäftigten
  • fehlende existenzsichernde Löhne
  • Luftverschmutzungen
  • Wasser- und Bodenbelastungen

Würden also alle Umwelt- und Sozialkosten beim globalen Wertschöpfungsprozess eingerechnet, läge der wahre Preis der Produkte weitaus höher als der auf dem Preisschild gezeigte.

Aber Achtung! Ein hoher Preis ist kein Indikator für eine nachhaltige Herstellung! Eine 200 Euro Jeans kann auch umwelt- und sozialschädlich produziert worden sein, denn hochpreisige Markenprodukte werden häufig in der selben Textilfabrik gefertigt wie die Billigwaren. Nachfolgend zeige ich Dir anhand einiger Beispiele, welchen hohen Preis letztlich Mensch und Natur zahlen müssen.

Beispiel 1: Die Fernseh-Dokumentation „Der Preis der Blue Jeans“ zeigte die Herstellung von Jeanshosen in China. Die Arbeitsbedingungen in den Textilfabriken sind katastrophal, die Menschen erleiden Gesundheitsschäden und leben in Lohnsklaverei. Farben und Chemikalien verschmutzen die Luft, das Wasser und den Boden.

Beispiel 2:  Beschäftigte in Nähereien in Osteuropa und der Türkei sind weit entfernt von existenzsichernden Löhnen. Die durchschnittlichen Netto-Monatslöhne in der Ukraine, Mazedonien und Bulgarien deckten ca. 14% eines existenzsichernden Einkommens ab. Am höchsten waren die Löhne in Kroatien mit mehr als 300 Euro, die aber nur 36% des Existenzminimums abdeckten. Der tiefste Monats-Nettolohn der Befragten einschließlich Überstunden wurde in Moldawien mit 81 Euro registriert. Mehr Details dazu findest Du in der Studie des Ostwind-Instituts und der CCC Clean Clothes Campaign Schweiz aus 2014 „Im Stich gelassen: Die Armutslöhne der ArbeiterInnen in Kleiderfabriken in Osteuropa und der Türkei“. Quelle: https://lohnzumleben.de/im_stich_gelassen_pm/

Wer bilanziert die Kosten für Mensch und Umwelt?

Beispiel 3: Der Sportartikelhersteller Puma fragte sich 2010: „Wenn unser Planet ein Unternehmen wäre – wie viel würde er für die Dienste berechnen, die er für PUMA erbringt? Welchen Betrag würde er für die Beseitigung des ökologischen Fußabdrucks durch Verschmutzung und Beschädigung, den PUMA hinterlässt, dem Unternehmen in Rechnung stellen?“

In seiner ersten ökologischen Gewinn- und Verlustrechnung für 2010 bezifferte Puma die Umweltauswirkungen des operativen Geschäfts und der Beschaffungskette auf rund 145 Millionen Euro, gemessen an den Umweltindikatoren

  • Treibhausgasemissionen
  • Wasserverbrauch
  • Landnutzung
  • Luftverschmutzung
  • Abfall

Diese Umweltkosten reduzierten in 2010 den operativen Konzerngewinn von 306,8 Mio. Euro somit um fast die Hälfte! Für 2016 bezifferte PUMA den monetären Wert der Umweltauswirkungen auf 457 Millionen Euro, bei einem operativen Konzerngewinn von 127,6 Mio. Euro.  (Quelle: Puma Umweltauswirkungen 2016)

Die globalen Umweltschäden waren 2016 rund 3,5 mal höher als PUMA`s Konzerngewinn! Diese Kosten sind nicht im Preis der Puma-Produkte enthalten.

Doch solche Berechnungen zu angerichteten ökologischen Schäden sind extrem selten anzutreffen. Und die negativen sozialen Wirkungen für die Menschen hat nach meinem Kenntnisstand noch kein Unternehmen berechnet.

Sei Dir also bewusst: Der wahre Preis von Gütern, die gewinnmaximierend und unter Ausbeutung von Mensch und Natur hergestellt worden sind, ist viel höher als der auf dem Preisetikett gedruckte!

Jemand anderes zahlt die Zusatzkosten für die negativen sozialen und ökologischen Folgewirkungen unseres Konsums. Das sind die Menschen und die Natur − oft am anderen Ende der Welt und für uns nicht sichtbar.

Tipps + Kicks:

Mach Dir selbst ein Bild von den wahren Kosten einer konventionell hergestellten Jeans. Die NDR Dokumentation „Der Preis der Blue-Jeans“ öffnet die Augen. Hier der Link:

https://www.daserste.de/information/reportage-dokumentation/dokus/videos/der-preis-der-blue-jeans-102.html

Herzliche Grüße

Elke Vohrmann

 

Foto: © Elke Vohrmann

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