Ernährungsräte – so kannst Du in Deiner Region die Ernährungspolitik mitgestalten

Ernährungsräte auf dem Vormarsch

Bürger mischen in ihrer Region mit – durch 45 Ernährungsräte in ganz Deutschland. (Quelle der Karte: neu.ernaehrungsraete.org)

Ernährungsräte – so kannst Du in Deiner Region die Ernährungspolitik mitgestalten

Liebe Leserin, lieber Leser,

wie schön wäre es doch, wenn unsere tägliche Nahrung vorwiegend aus der Region käme, in der wir leben, und sie zugleich öko-fair produziert worden wäre. Und jeder Bürger, der will, könnte aktiv daran mitwirken? Ist das nur ein schöner Traum?

Die gute Nachricht: Dies ist bereits teilweise Realität geworden, durch eine großartige Einrichtung – dem Ernährungsrat. Diesen gibt es übrigens schon seit Jahrzehnten in der Welt. Der Erste wurde schon 1982 in den USA gegründet. (1)

Deutschland als Spätzünder bekam seine ersten Ernährungsräte erst 2016 in Berlin und Köln. Doch 2019 dann folgte eine Welle an Neugründungen, so dass mittlerweile über 45 Ernährungsräte und Gründungsinitiativen im gesamten Bundesgebiet aktiv sind.

Neben Deutschland gibt es Ernährungsräte und Gründungsinitiativen in Österreich, Italien, der Schweiz, Luxemburg und den Niederlanden, die im Netzwerk der Ernährungsräte zusammengeschlossen sind. (2)

Was tun Ernährungsräte?

Bisher nehmen Städte/Kommunen und Bürger/Verbraucher kaum Einfluss auf die regionale Lebensmittelversorgung.

Ernährungsräte wollen die Ernährungspolitik, die bislang Bundes- und Ländersache ist, auf kommunaler Ebene nachhaltig mitgestalten. In Ihnen schließen sich im Idealfall diverse Interessengruppen zusammen, wie Bürger, die lokale Politik, die regionale Wirtschaft, die Wissenschaft etc. Gemeinsam wird an einem neuen Ernährungssystem gearbeitet, um die Nahrungsversorgung regional, fair und ökologisch zu gestalten. (3)

Der Ernährungsrat Köln beispielsweise besteht aus insgesamt ca. 30 Mitgliedern, mit jeweils einem Drittel aus der Stadtpolitik, aus der Wirtschaft (Landwirtschaft, Handel, Gastronomie etc.) sowie den Bürgern. (4)

Tipps + Kicks:

Vielleicht willst Du in Deiner Region in einem Ernährungsrat aktiv werden?  Die Übersichtskarte auf der Website des Netzwerkes der Ernährungsräte (5) zeigt Dir, wo es bereits einen Ernährungsrat bzw. eine Gründungsinitiative gibt.

Allein die Beispiele der Ernährungsräte aus Köln und dem Rhein-Kreis Neuss zeigen eine Vielfalt spannendster Themen. Vielleicht spricht Dich eines der nachfolgenden Projekte ganz besonders an, für Deine Region?

Beispiel Ernährungsrat Köln

Im Ernährungsrat Köln wird in Ausschüssen an folgenden Projekten gearbeitet (6):

  • Regionalvermarktung: Durch den Ausbau neuer Absatz- und Bezugsmöglichkeiten sollen kleine Erzeugerbetriebe in der Region gestärkt und den Verbrauchern der Zugang zu regional erzeugten Lebensmitteln vereinfacht werden.
  • Urbane Landwirtschaft/Essbare Stadt: Flächen für die urbane Landwirtschaft und für Gemeinschaftsgärten sollen erhalten bleiben, innovative Lösungen für eine nachhaltige Lebensmittelproduktion in der Stadt gefunden werden.
  • Ernährungsbildung für Kinder und Gemeinschaftsverpflegung: Kinder sollen den Anbau, die gesunde Zubereitung und Wertschätzung von Lebensmitteln von Klein auf lernen.
  • In der Gastronomie und im Lebensmittelhandwerk soll wieder mehr Regionales auf den Tisch kommen, denn die Bürger haben großes Interesse an Speisen aus nachhaltiger und regionaler Produktion.

Beispiel Ernährungsrat Rhein-Kreis Neuss

Der Ernährungsrat Rhein-Kreis Neuss arbeitet in verschiedenen Arbeitsgruppen an Lösungen für nachhaltige Ziele, wie: (7)

  • Mindestens 50% der Neupflanzungen auf öffentlichen Grünflächen erfolgen mit essbaren Pflanzen sowie insektenfreundlich.
  • Firmen fördern Biodiversität und schaffen artenreiche und insektenfreundliche Räume auf dem Firmengelände.
  • Schulen betreiben einen Schulgarten, damit Kinder den Anbau von Gemüse, Obst und Kräutern erlernen.
  • Schulkinder erlernen gesunde Ernährung durch Selbstkochen.
  • Eine nachhaltigen Lieferkette mit kurzen und direkten Lieferwegen soll aufgebaut, Umverpackungen sollen vermieden und Pfandsysteme eingesetzt werden.
  • In allen Kitas, Tagespflegestellen und Schulen erhalten die Kinder und Jugendlichen eine gesundheitsfördernde und nachhaltige Verpflegung. Die Lebensmittel dafür stammen soweit wie möglich aus dem Rhein-Kreis Neuss.

Schon diese beiden Beispiele aus Köln und dem Rhein-Kreis Neuss zeigen die Fülle an Möglichkeiten, mit zu gestalten.

Solltest Du in Deiner Region nicht fündig geworden sein, kannst Du selber einen Ernährungsrat gründen. Der gemeinnützige INKOTA netzwerk Verein hat ein kostenloses Handbuch (8) mit praktischen Tipps zur Gründung solcher Räte herausgegeben.

Auch am Beispiel der Welle von neu gegründeten Ernährungsräten sehe ich den stärker werdenden Bewusstseinswandel der Menschen. Immer mehr Bürger verlassen ihre passive Rolle und engagieren sich aktiv für ein nachhaltiges Leben. Sie bringen sich ehrenamtlich in ihrer Region ein und formen eine Gesellschaft, die gut für Mensch und Natur ist.

Herzliche Grüße

Elke Vohrmann

 

Quellen:

(1) https://de.wikipedia.org/wiki/Ern%C3%A4hrungsrat

(2) http://neu.ernaehrungsraete.org/

(3) http://ernaehrungsraete.de/

http://ernaehrungsraete.de/ernaehrungsrat-idee-ueberblick/

https://www.inkota.de/themen/welternaehrung-landwirtschaft/ernaehrungsraete/

(4) http://www.ernaehrungsrat-koeln.de/

(5) http://neu.ernaehrungsraete.org/

(6) http://www.ernaehrungsrat-koeln.de/

(7) http://ernaehrungsrat-rkn.de/ueber-uns/

(8) https://webshop.inkota.de/produkt/aktionsmaterial-download-ratgeber/unser-essen-mitgestalten

 

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